Vierzig Tage Fieber

Ich schaff es nicht, mich aufzuraffen,

kann nicht essen, kann nicht schlafen.

Warten ist die schwerste Last:

Weil man kann sie so schwer liegenlassen

 

Jeder Tag sind tausend Jahre.

Mindestens, wenn nicht noch mehr.

Erdzeitalter ist es her,

Stunden kleben schwarz im Teer.

 

Und ich hab vierzig Tage Fieber ohne dich.

 

Niemand steht mir bei im Dunkeln,

ganz alleine muss ich zittern,

schlottern bis die Zähne splittern,

nassgeschwitzte Kissen knittern.

 

Garnichts ist mehr zu ertragen,

alle Worte klingen dumm,

es biegt mir die Gedanken krumm

und mein Herz schlägt falsch herum

 

Und ich hab vierzig Tage Fieber ohne dich.

 

Jeder Atemzug entgleist

zu einem Schluchzen, einem Wimmern,

rotgeweinte Augen flimmern

wie das Licht in Gästezimmern.

 

Ich bin zerrüttet und zerkrümelt,

muss zerknirscht am Boden liegen,

Schaben fressen mich und Fliegen,

Gott will meine Seele wiegen.

 

Und ich hab vierzig Tage Fieber ohne dich.

 

 

 

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Martin Brunner, 2015

 

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