Ganz nah bei dir

In einem Wald, der keinen Raum misst,

der weiter als die Zeit ist,

steht ein unscheinbares Haus

zwischen den Wurzeln eines Baums,

der seine Blätter um die Sterne hüllt bei Tag.

 

Hier wohnt die Frau, die mich nicht sein lässt,

die süß und herb wie Wein ist,

mit Augen grün und klar,

sie hat Farn in ihrem Haar

ich will entstehen und vergehen in ihrem Arm.

 

Und wenn Gott mich sucht, dann sag ihm ich bin hier,

ganz nah bei ihr, ganz nah bei mir, ganz nah bei ihr.

 

Auf einem Berg der kein Gewicht hat,

der über Dunkeheit und Licht ragt,

gibt es Höhlen anzuschauen,

von Blitzen in den Fels gehauen,

und die Wände sind ganz glatt gewetzt vom Sturm.

 

Hier wohnt der Mann, der mich nicht sein lässt,

der karg und schön wie Stein ist,

mit Augen wie Granit,

traurig klingt sein Lied,

ich will entstehen und vergehen an seiner Brust.

 

Und wenn Gott mich sucht, dann sag ihm ich bin hier,

ganz nah bei ihm, ganz nah bei mir, ganz nah bei ihm.

 

Wenn alle Schatten nur noch Rauch sind,

kein Staub mehr weht im Fauchwind,

wenn der Mond ins Leere scheint,

ist meine Seele ausgebeint,

und vielleicht schwebt sie dann verloren und weiß nichts mehr.

 

Doch in der Zwischenzeit, die bleibt,

sind meine Seele und meinen Leib,

und meine Liebe dir.

Hab vielen Dank dafür,

dass ich erleben und erbeben darf an dir.

 

Und wenn Gott mich sucht, dann sag ihm ich bin hier,

ganz nah bei dir, ganz nah bei mir, ganz nah bei dir.

 

 


Martin Brunner, 2016