Die Urfruchtmutter

Sie war bereits und wird noch sein wenn längst die Zeit verronnen.

In ihres Bauches finstrer Glut hat alles Sein begonnen.

Aus Gasen (unter hohem Druck gepresst, dass sie nicht wehten)

Formten sich Planeten – bald drängten sich Kometen.

Mit Urgewalt platzt jäh das All mit Knall aus allen Nähten.

 

In Bälde spross auf einem Köttel ganz besondres Leben.

Donnerechsen dick und schwer, doch schicksalhaftes Beben:

Im Muttermagen Hunger nagt und knurret immer schaurier!

Noch eh die erste Frau hier – zum Glück das wär noch traurier –

Mit Fleiß verspeist Sie und Genuss die armen Dinosaurier.

 

Krabbeltierchen plagen Sie, wo man nicht hin darf kucken.

Doch wo die Wulst im Wege ist, dort kann man sich nicht jucken.

Ihr Büschel sie in Wallung bringt, dass alle los Sie werde

Mit schweifender Gebärde – so wie der Schwanz der Pferde.

Manche landen irgendwo und manche auf der Erde.

 

Ihr Unwesen betreiben sie mit Wonne auch hinnieden.

So werden Krieg und Hungersnot durch jene uns beschieden.

Ach könnte Sie, das Riesenvieh sich ordentlich nur putzen,

Den Urwald einmal stutzen – es würde allen nutzen.

Doch, Fett sei Dank, wir müssen uns das eigne Heil ertrutzen.

 

So kreist um Ihren Nabel längst der Kosmos, den wir kennen.

Wir fürchten, preisen, leugnen Sie – wie immer wir Sie nennen.

Was untherum Sie ausgebirt, ist obherum Ihr Futter.

Die Zung ein Weltraumkutter – am schwarzen Loch noch Butter –

Verschlingt an einem schönen Tag auch dich die Urfruchtmutter.

 

 

 

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Martin Brunner, 2011

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