Bruder, komm, wir gehen

Ich höre nur noch Eisen reiben,

schmeck nur noch Petroleum,

die Luft verbrennt die weißen Scheiben,

Bruder, komm, wir gehen!

 

Ich weiß nicht, wo die Sonne steht,

das Licht ist nicht mehr zuzuweisen.

Durch die Nacht auf roten Gleisen,

Bruder, komm, wir gehen!

 

Bruder, komm, wir gehen nach Haus!

Und zieh die Schuhe an,

denn die Straßen, sie glühen, wo die Wut sie berührt.

 

Wer nicht gewinnen kann, kann gar nichts,

wenn er nicht verlieren kann.

Schnall dir dein Gewissen an!

Bruder, komm, wir gehen!

 

Die Welt ist groß auf kleinen Füßen,

aufrichtig ein weiter Schritt.

Höllen sind nur da zum Büßen,

Bruder, komm, wir gehen!

 

Bruder, komm, wir gehen nach Haus!

Und zieh die Schuhe an,

denn die Straßen, sie glühen, wo die Wut sie berührt.

 

Feuervögel fliegen westwärts,

nisten zwischen Stahl und Glas,

fressen alles, was ein Herz hat.

Bruder, komm, wir gehen!

 

Dorthin, wo wir tanzen dürfen,

wenn wir zwei uns wieder sehen,

statt auf Knien Blut zu schürfen.

Bruder, komm, wir gehen!

 

Und zieh die Schuhe aus,

denn die Straßen, sie blühen, wo dein Fuß sie berührt.

 

 


Martin Brunner, 2016